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MVW.WELTWEIT.DE - Konzertbericht

Der MVW hebt ab

Tourist Hans RehbergerIch komme etwas gehetzt durch die mehrflügeligen Eingangstüren des Flughafengebäudes, das Bodenpersonal händigt mir mein Flugticket aus, am Counter kann ich mein Gepäck abgeben. Nachdem ich ein Stockwerk nach oben gegangen bin, erwartet mich ein überfülltes Terminal. Aus der einen Ecke des Gebäudes empfängt mich der würzige Duft internationaler Spezialitäten aus einem Imbiss. Ein Geschäftsmann mit Computer unter dem Arm und Handy am Ohr huscht in Richtung der Ausgänge zum Flugfeld an mir vorbei. Ganz anders der etwas verwirrt wirkende Tourist im bunten Hemd: Nach Orientierung suchend schaut er nach rechts und links. Dazwischen die freundliche Stimme einer Stewardess, die im weitläufigen Terminal etwas hallend die Fluggäste zum Einstieg in ihren Flieger aufruft. Bin ich in der Hohenkreuzhalle oder am Stuttgarter Flughafen?

So oder ähnlich müssen die Eindrücke eines Konzertgastes gewesen sein, als er das diesjährige Konzert des MVW besuchte. MVW. WELTWEIT.DE lautete das Motto des Konzerts und das hielt tatsächlich allerlei Klangvariationen aus aller Herren Länder bereit.

OrchesterMit der „Asia Fanfare" als festliche Hymne entführten die Musiker die Konzertgäste mit asiatischen Klängen in die wundervollen Landschaften des Fernen Ostens. Doch der Aufenthalt dauerte nicht lange und das nächste Reiseziel fand sich wieder in Europa. „Lord of the dance" war eine Ehrerbietung an die mitreißende irische Tanzshow, die seit rund 20 Jahren erfolgreich durch die Welt reist. Die Geschichte erzählt vom Kampf der guten gegen böse Mächte. „Siyahamba" hieß das Werk, das die Fluggäste in die Steppen Afrikas entführte. Wer mit geschlossenen Augen den Klängen lauschte konnte vorbei huschende AnzeigentafelEchsen oder die Trommeln der Eingeborenen in der untergehenden Sonne erahnen. Ein Werk, das mit seinen Variationen aus feinen Soloteilen und eingängigen Melodien sicherlich zu den Lieblingsstücken der Musiker gehörte. Über den „Russian Waltz", einem heitermelancholischen Tanzwalzer ging es zunächst zurück ins „Schwabenland". Das Werk beschreibt das Ländle und seine Menschen in den drei Sätzen Kulturstätten, Gemüt und Lebensfreude. Mit den Klängen des „Teatime Tango" ging der Flug weiter in das lebensfrohe Südamerika. Der Choral aus „Finlandia" dagegen schlägt wiederum eher melancholische Töne an. Das Stück erzählt den Kampf der Finnen im Jahr 1899 gegen die Unterdrückung durch das russische ZarSaxophon-Satzenreich. In „Finlandia” geht es um Kampf und Sieg, Heimatliebe und letztlich Triumph. Italien war die nächste Station: Eros Ramazzottis „Più Bella Cosa" ist ein Ohrwurm. Das vielleicht bekannteste Stück des Italieners ist eine Liebeserklärung an eine Frau für eine Liebe, die ein Leben lang anhält – immer wieder schön zu hören. Die Polka „Pusztazauber" malte ein Bild der ungarischen Pusztalandschaft und die bekannte Filmmusik zu „Die Dornenvögel" beschrieb den australischen Kontinent. Mit dem Abschlussstück „American Patrol" des bekannten Glenn-Miller-Orchesters hob sich Dirigent Alexander Theiler einen Konzerthöhepunkt bis zum Ende auf. Die eingängige Swing-Komposition forderte nochmals das gesamte Orchester. Als Zugabe erklang der Marsch „Die Kaiserjäger".

JukaDas Jugendorchester des Vereins durfte im Konzertflieger natürlich nicht fehlen. Mit den Stücken Forte an Piano Song, Chinaman in Paris, Barbara Ann, Beetle Boggie und The Music Mill begeisterten die Kinder und Jugendlichen nicht nur die anwesenden Eltern, sondern alle Konzertgäste. Das Jugendorchester besteht in dieser Form erst seit dem Frühjahr. Für diese kurze Zeit, war das eine bravuröse Darbietung unter der Leitung von Jugenddirigent Dominik Dörner.

Auch das Drumherum war perfekt auf das Thema einer musikalischen Weltreise abgestimmt. So wurden die Werke beispielsweise durch die Projektion von charakteristischen Bildern der Länder oder Kontinente eingeleitet. Eine Stimme aus dem Hintergrund (Katrin Lehmann) in Form einer Terminal-Ansage rief die einzelnen Länder auf. Durchaus mehr als nur schmückendes Beiwerk waren die pointierten und witzigen Dialoge von Hans Rehberger und Jürgen Eberspächer. Sie spielten zwei gegensätzliche Charaktere – zahlengetriebener Geschäftsmann versus lebensfrohen Pauschaltouristen – und leiteten damit äußerst unterhaltsam zwischen den Stücken über. 

Leckere HaeppchenDoch nicht nur die Musik beschrieb eine musikalische Weltreise: Die Pausenhäppchen ergänzten die Musik auf kulinarische Weise. So gab es beispielsweise irische Scones, italienische Mozzarella-Häppchen oder würzigen Pusztasalat als Fingerfood.

Die Stimmen der Konzertbesucher im Anschluss hoben die Stimmung bei Musikern und Vereinsleitung. So waren Worte zu hören wie „mal etwas erfrischend anderes", „herrliche Klangvielfalt", „spritziges Konzert in dieser alten Halle" oder auch „sehr schöne Idee" – ein wohltuendes Lob nach wochenlanger Probearbeit.